Die widerspruchliche Modernisierung der elterlichen by Anke Kerschgens

By Anke Kerschgens

Uber die Arbeitsteilung in Familien wurde bereits vieles geschrieben und ver- fentlicht. Es besteht jedoch eine entscheidende Forschungslucke, die die vorl- gende Arbeit fullen mochte: In den vorwiegend soziologischen Analysen bleibt die Arbeitsteilung als ein Thema des Paares und dessen Beziehung definiert und es wird nicht die familiale Konstellation als Ganzes in den Blick genommen. Es gilt jedoch, um das Phanomen der Arbeitsteilung zu verstehen, eine Perspek- ventriangulation vorzunehmen dahingehend, dass das Paar auch als Elternpaar gesehen wird, dass nicht nur die Praxis, sondern auch die unbewusst verankerte Beziehungskonstellation untersucht wird und dass in diesem Sinne Arbeitst- lung als elterliche Arbeitsteilung mit einer gesamtfamilialen Zuweisung - stimmter Positionen verstanden werden kann. Dabei gilt es, neben soziolo- schen Erkenntnissen und Untersuchungsperspektiven auch psychoanalytische Verstehensweisen einzubeziehen. Dies mochte ich im Folgenden naher erlautern. Die elterliche Arbeitsteilung ist Teil des institutionell wie auch in Deut- gen und Bildern verankerten gesellschaftlichen und historisch gewachsenen, sich wandelnden Geschlechterverhaltnisses. Dieses bietet einen Handlungsrahmen fur die interaktive Aushandlung der Frage Wer macht was?" zwischen Mann und Frau in einer Paarbeziehung. Die Untersuchung der elterlichen Arbeitsteilung geht jedoch uber die Betrachtung der supplier von Erwerbsarbeitszeiten und Hausarbeitsanteilen hinaus, denn neben dem Beziehungsverhaltnis von Mann und Frau werden auch die Positionen als Vater und Mutter gegenuber den ok- dern in der Familie als proper fur die shape der Arbeitsteilung erachtet.

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Schon 1995, 117). Die Wiederherstellung einer intra- und interpsychischen Balance ist eine Aufgabe bereits für die werdenden Eltern (Bürgin 1998, 183). 32 31 32 genüber Verantwortung übernehmen zu können und in Fürsorge und einem Interesse an deren Entwicklung die eigenen (egoistischen) Interessen und Bedürfnisse auch zurückstellen zu können. Das Paar muss seine Dezentrierung und die Einzelnen müssen ihren partiellen Ausschluss verkraften, und dies beinhaltet, die Intimität und wechselseitige Fürsorge des Paares zu öffnen und das Dritte (zunächst zentral) daran teilhaben zu lassen.

Für eine soziologische Rekonstruktion ist jedoch vor allem eine Untersuchung von Interesse, die von der aktuellen Gestalt mit ihren bewussten und unbewussten Themen und Dynamiken der Familie ausgeht, wobei die Frage nach deren psychischer Genese in der Kindheit in den Hintergrund tritt. Eine genauere Untersuchung der Psychogenese im Sinne der Geschlechtsidentitäten würde zu weit führen und den Blick auf die Konstruktionsprozesse des Paares verstellen. B. Liebsch (1997) in Hinblick auf das doing gender die Perspektive auf die Geschlechtsidentität hin zur alltäglichen Praxis erweitert, so bleibt doch die Perspektive auf das Paar auch von ihr unberücksichtigt.

4 Triadische Theorien der Familie und familiale Beziehungsstrukturen 51 Die regressiven Prozesse sind von einer auch bewussten Auseinandersetzung begleitet, die an bereits in der Adoleszenz erfolgte Individuationsprozesse anknüpft. Die erneute Auseinandersetzung mit den eigenen Eltern kreist angesichts des eigenen Kindes und der Identifikation mit ihm vor allem um Entbehrungen und unerfüllt gebliebene Wünsche der eigenen Kindheit, die jetzt erneut betrauert werden müssen und können. Projektionen auf das Kind und Identifikationen mit den Eltern müssen relativiert werden.

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